Nicht am gewohnten ersten Septembersonntag, sondern bereits eine Woche vorab, trafen sich auch 2026 die Mitglieder des Thüringer Landesverbands von Mehr Demokratie zur traditionellen Demokratiewanderung. Rund um Bad Berka und bei bestem Wanderwetter nutzte man die gut zehn Kilometer und eine ausgiebige Imbisspause, um miteinander in den Austausch zu kommen. Einige Mitglieder gaben sich als Stammkräfte zu erkennen, andere nahmen zum ersten Mal an einer Demokratiewanderung teil.
Am Treffpunkt in unmittelbarer Nähe des Berkaer Bahnhofs und im Anschluss an eine kleine Kennenlernrunde führte Vorstandsmitglied Peter Häusler in die wechselhafte Geschichte des Kurortes Bad Berka ein, die weit mehr bietet als die landesweit bekannte Kurklinik. So ist beispielsweise die Sophienheilstätte das größte noch existierende Fachwerkgebäude Deutschlands.
Über den Paulinenturm, von dem sich den Teilnehmenden eine Aussicht bis zum Großen Inselsberg bot, ging es nach Buchfahrt. Dort informierte Vorstandssprecher Ralf-Uwe Beck beim ausgiebigen Imbiss über die laufende Arbeit des Landesvorstands und aktuelle politische Entwicklungen in den Themenfeldern von Mehr Demokratie in Thüringen. Derzeit versuche die Landesregierung das Thüringer Transparenzgesetz zu Ungunsten der Bürgerinnen und Bürger zu verändern und Auskunftsrechte auszudünnen. Der Landesverband hat sich hierzu in einer Stellungnahme geäußert, einschneidende Änderungen wurden zurückgenommen, allerdings liegt ein weiterer Gesetzentwurf vor, der die Ausnahmen von der behördlichen Auskunftspflichten vergrößern möchte. Auch hiergegen werde man sich wehren. Im Landtag engagiere sich derzeit insbesondere die BSW-Fraktion für eine Stärkung der direkten Demokratie, zuletzt durch zwei öffentliche Veranstaltungen („Demokratieforen“), an denen Ralf-Uwe Beck als Podiumsgast teilnahm. Des Weiteren arbeite der Landesvorstand, unterstützt durch Lottomittel des Freistaats Thüringen, an einem „Werkzugkoffer für Demokratie“.
Zurück in Bad Berka gab Peter Häusler einen Einblick in ein dunkles Kapitel der Bad Berkaer Ortsgeschichte. In den 1920er-Jahren ließen sich hier Teile der völkischen (Jugend-)Bewegung nieder. 1922 errichtete der Reformpädagoge Theodor Scheffer in Bad Berka die „Deutsche Heimatschule“. Scheffer bot in Bad Berka unter anderem dem Artamenen-Bund ein Dach, der sich für eine völkische, agrarromantische Blut-und-Boden-Ideologie vertrat. Heinrich Himmler, der Mitglied des Bundes war, setzte sich später für ein Dozentur Scheffers an der Universität Jena einsetzte. Die „Deutsche Heimatschule“ stellte auch das Lehrpersonal für die 1928 gegründete „Mitteldeutsche Heimatschule“ in Nohra. Aus dieser wurde wiederum 1933 das erste Konzentrationslager der Nationalsozialisten, in dem politische Gegner der Nazis, allen voran KPD-Mitglieder interniert wurden.
Wieder am Bahnhof verabschiedete man sich nach fünf kurzweiligen Stunden. Zum Abschluss wurde bereits die kommende Demokratiewanderung besprochen und Lindewerra sowie das Grenzmuseum Schiffersgrund als Ausflugsziel für 2027 anvisiert.


